Eine Woche Segeln

Tag 427 und 3524 sm im Kielwasser seit Heiligenhafen

Wir sind Azorenmüde. Ja, das scheint so zu sein. Wir haben den Eindruck, dass sich die Dinge wiederholen und wir etwas anderes sehen möchten. Unser ursprünglicher Plan, noch einmal nach Galizien zu fahren verwerfen wir. Ein Grund dafür sind die wieder vor Galizien und Portugal aktiven Orcas, die nach wie vor Schiffe attakieren. Ich habe mich um einen Flug nach Deutschland gekümmert und einen für Mitte Oktober gebucht. Der Heimatflug ist nötig, um bei mir einen kleinen Eingriff machen zu lassen, nichts schlimmes, aber damit will ich nicht weitersegeln und schleppe es dank Covid schon ein Jahr mit mir rum.

Wir verlassen also Sant Miguel morgens um 8.00, um wieder zum Festland zu segeln. Wir haben uns dieses Mal sehr gut vorbereitet, sodass wir vorbereitete Mahlzeiten für die ersten Tage haben. Nur an den ersten Tagen war uns bisher oft nicht so gut. Mal sehen wie es dieses Mal wird. Die Wettervorhersage ist sehr gut, verspricht sie die ersten Tage noch guten wird, soll es danach aber weniger werden aber immernoch passen. Zu erwarten haben wir dann aber wohl einen Streifen ohne Wind. Mal sehen wie es wird. Unsere erste Motorinspektion soll bei 50 h erfolgen und wir haben bisher 22,7 h. Hoffentlich benötigen wir diese nicht alle.

  1. Tag

Strahlender Sonnenschein und wir segeln die Südküste entlang. Leider läst der Wind zum Ende der Insel immer weiter nach und wir müssen mit dem Jockel ein wenig nachhelfen, um aus dem Windschatten der Insel hinaus zu kommen. Wir kommen vorbei an der Langen Anna von Sant Miguel und senden unserer Helgoländer Freundin ersteinmal ein Bild.

Als wir hinter der Insel raus sind haben wir super Segelbedingungen.

Während meines Mittagschlafes besucht uns eine ca. 30 köpfige Gruppe von Delfinen, die Anne sogar fotografiert bekommt. Später eine vorbeischwimmende Schildkröte können wir nicht fotografieren. Sie sind meist erst neben dem Boot auszumachen, wenn man/ frau die Vorderflossen aus dem Wasser schauen sieht. In einiger Entfernung ist ein Wal auf dem Weg zu den Azoren, wir sehen mehrfach seinen Blas.

2. Tag

Morgens um 8.00 Uhr nehmen wir unser erstes Tagesetmal (versegelte Strecke in 24 h) und hatten 141 sm. Damit sind wir sehr zufrieden. Dieser zweite Tag ist bis auf ein vorbei treibendes ungefähr 5 m langes Rohr mit ganz vielen Fischen drum herum ereignislos. Wir kommen aber wieder gut voran. In der Nacht regnet es für einige sehr kurze Momente. Ich bleibe unter dem aufgebauten Bimini (Sonnenschutz) aber so gut wie trocken.

3.Tag

Ein Etmal von 128 sm ist wieder klasse.

Dieser Tag hat aber noch ein kleines Highlight für uns parat. Ca. 200 m hnter uns zieht ein großer Wal hindurch. Auf die Entfernung schwer zu erkennen aber ich war der Meinung es könnte ein Potwal gewesen sein.

Der Blas ist gut zu erkennen.

In großer Entfernung zieht ein Tanker vorüber. Ich funke diesen an und bitte den Wach habenden Offizier uns einen Wetterbericht zu geben. Sehr hifsbereit und freundlich bekommen wir diesen. Keine Überraschungen, meine vor Abfahrt eingeholten Informationen werden nur bestätigt.

4. Tag

Wieder ein tolles Etmal von 130 Meilen, aber der Motor lief zwischendurch für 2 Stunden, weil die Segel so geschlagen haben.

Heute setzen wir den Bliester / Genacker. Mit dem weniger gewordenen Wind läuft das Boot damit gut. Auch das schlagen der Genuaumlenkrolle verstummt. Tolles Segeln bei herlichem Sonnenschein. Ansonsten passiert heute nicht viel. Wir werden von einem der großen Containerschiffe überholt. Seine Länge wird auf dem Plotter nicht wie sonst üblich in Fuß angegeben sondern in sm. 😉

5. Tag

Mit dem weniger gewordenen Wind ein Etmal von 109 sm – wir sind zufrieden.

Der Tag hat als Höhepunkte gleich drei Dinge parat. Wir sehen einen fliegenden Fisch, eine sehr große Schildkröte und wir fangen einen Atlantischen Bonito. Dieser erweist sich in heißer Butter gewendet als sehr schmackhaft oder auch oberlecker.

6. Tag

Wieder 109 sm Etmal. Ich hatte bei unserer Abfahrt nicht damit gerechnet, dass die Etmale über 100 sm bleiben, weil der Wind ja weniger werden sollte. -ichbin wieder zufrieden.

Heute allerdings muß der Jockel für 9 Stunden ran. Das Wetter ist immer noch klasse. Richtig wärmer wird es aber noch nicht . Ich funke erneut einen Frachter an, um einen Wetterbericht zu erhalten. Auch dieses Mal gibt man mir freundlich Auskunft. Wie beim letzten Mal mit den Angaben zu Windrichtung und Stärke, Wellenhöhe und Strom und seiner Stärke. Es wird ruhig bleiben. 🙂

7. Tag

102 Seemeilen Etmal.

Wir kommen der Festlandsküste näher, der Schiffsverkehr nimmt zu, alle Schiffe scheinen,wie wir, auf Portugals Südwestecke zu zuhalten. Der Tag bleibt ohne aufregende Ereignisse. Die Nacht wird da anders. Wir nähren uns aber dem Verkehrstrennungsgebiet vor dem Cabo Sao Vicente. Dieses VTG ist eine Art Einbahnstrassen System indem die Berufsschifffahrt festgelegte Spuren in eine Richtung befährt. Hier sind es insgesamt 5 Spuren, die um die Ecke in Richtung Gibralta zum Mittelmeer führen. Sportboote sollten diese Gebiete meiden. Wir fahren drum herum. Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Unter Segel haben wir den dicken Pötten gegenüber Vorfahrt und alle Frachter und Tanker ändern brav ihren Kurs. Es bleibt aber eine aufregende Nacht mit nur kurzen Schlafintervallen für mich.

Der letzte Abend auf See

8. Tag

Ein Etmal von 104 sm und nur noch 24 sm bis nach Lagos.

Ich bin ein wenig angespannter heute. Vor kurzem waren hier noch die Orkas aktiv. Diese sollen aber jetzt weiter nördlich ihr Unwesen treiben. Ich halte ständig Ausschau und kann Gott sei dank nichts entdecken. Wir runden das Kap und haben einen fantstischen Morgen. Wir freuen uns auf den Landfall, obwohl wir die Überfahrt beide gut und ohne irgendwelche Seekrankheits Syptome geniessen konnten. Anne konnte dieses Mal sogar lesen und unten Dinge in der Küche erledigen.

Entlang geht es nun noch an der uns schon bekannten Felsalgarve die letzten Meilen nach Lagos. Dieses Jahr aber mit deutlich mehr Tam Tam. Vor Lagos ist richtig was los. War es doch letztes Jahr hier Covid bedingt sehr ruhig, haben wir heute das Gefühl alles ist vergessen.

Nach 847 sm, mit Hilfe von 18 Motorstunden erreichen wir nach einer Woche (und vier Stunden) segeln glücklich den Hafen von Lagos.

Eine kleine Anmerkung nich an dieser Stelle. Am nächsten Tag erfahren, dass die Xenia, eine britische X-Yacht hinter dem Kap vor Sagres von den Orkas attakiert wurde. Wir haben gegenüber der Xenia den letzten Winter in Lagos gelegen. Wir haben sie etliche Male auf den Azoren wieder gesehen und nur wenige Tage nach ihr Ponta Delgada verlassen. Jetzt haben wir neben ihr an der Werft Soprama festgemacht. Ein Mitsegler zeigt mir Videos von der Attacke auf seinem Telefon. Vermutlich haben sie keinen großen Schaden genommen. Allerdings ist die Steuerung ausgehackt und sie mußten das Schiff mit der Notpinne in den Hafen manövrieren. Wir drücken die Daumen, dass beim Kranen kein größerer Schaden ans Tageslicht kommt.

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