Santa Cruz da Graciosa

Nachdem wir uns Sao Jorge ausführlich angesehen haben und auch das Bild auf der Mole gemalt ist, soll es nun nach Santa Cruz da Graciosa gehen. Ich bin gespannt, da es dort keinen richtigen Hafen geben soll. In Santa Cruz soll ein Hafen im Bau sein und in Praia da Graciosa soll im Fischereihafen wenig Platz sein und vor dem Hafen ein schaukeliger Ankerplatz. Nun gut, wir haben uns am Abend von der Piccolina Crew, Rolf und Steffi verabschiedet und machen uns früh auf den Weg. Zunächst kreuzen wir zur Westspitze von Sao Jorge und können schließlich auf den Westen Graciosas zuhalten. Die Welle heute sorgt nur für leichtes Unbehagen. Der geringelte Leuchtturm vom Ponta da Barca erwartet uns. Hier halten wir uns gut frei von der flach auslaufenden Küste.

Jetzt geht es nur noch ein Stück um die Insel herum und wir laufen in die gut durch die neuen Molen geschützte Bucht Baia do Portinho da Barra östlich von Santa Cruz. Im Hafen liegen an der Mole bereits zwei Boote und im Hafen liegt ein ankerndes Boot und ein weiteres an einer Mooring. Wir benötigen zwei Anläufe bis der Anker hält. Ich fahre mit Motorkraft rückwärts und stelle damit sicher, dass der Anker auch hält. Der Grund besteht hier aus Steinen oder einer großen Steinplatte. Ich lege mich für eine kurze Siesta aufs Ohr. Nachdem ich wieder hoch bin fängt plötzlich unser Anker an zu slippen (für die Nichtsegler: rutschen). Von Land kommen zwei nette ältere Herren zu uns rüber gerudert und weisen uns auf eine Mooring hin, die ich bis dahin für ein Fischernetz gehalten habe. Wir sollten doch lieber daran fest machen, dass sei sicherer. Sie haben uns schnell überzeugt und geben Anne auf dem Vorschiff sogar den dicken Tampen an. Hier liegen wir jetzt perfekt. Zum Schlauchboot aufbauen haben wir heute keine Lust mehr und verschieben dies auf den nächsten Tag. Der Hafen wurde mit Geldern der EU angelegt. Jetzt sind die Gelder alle und man wartet scheinbar auf die nächsten Gelder. Dieser Hafen wird mal richtig gut, ist er doch frei von Schwell im Gegensatz zu anderen Azorenhäfen.

Wir machen uns dann am Vormittag auf, um den Ort zu erkunden. An vermutlich alten Fischerhäusern vorbei geht es in das Zentrum des beschaulichen Ortes. Zwei große ehemalige Wasserreservoires und ein großer Platz mit großen Bäumen die Schatten spenden prägen den Ortskern. Der Ort ist wieder einmal sehr gepflegt. Es gibt mehrere kleine Supermärkte und einen etwas größeren am anderen Ende des Ortes. Bei diesem gibt es als einzigem frisches Fleisch und auch Fisch.

An dem kommenden Wochenende ist hier eigentlich eine Prozession. Diese darf wohl aber nicht wie gewohnt stattfinden und so haben die Bürger die Bäume verziert und hängen überall bunte Decken über die Balkongeländer. So sind die Strassen auch bunt geschmückt und Covid ist die Stirn geboten.

Wir erhalten in Touristeninformation wieder gute Tipps und Infomaterial und zu unserer Freude auch einen Busfahrplan. hier gibt es zumindest in der Woche ein brauchbares Busnetz. Leider sind richtige (strassenfreie) Wanderwege auf dieser Insel eher rah. Wir können nicht alles haben.

Zunächst werden wir aber einen Blick von unserem hiesigen Hausberg werfen. Es geht erst Strasse und dann einen alten Weg hinauf auf 110 m. Zu unserer Überraschung gibt es in der Caldeira (die Vertiefung in der Mitte des ursprünglichen Vulkans) eine große Stierkampfarena. Diese wurde vor Covid auch noch zweimal jährlich genutzt. Eine tolle Akustik in dieser Freiluftarena und die grüne Umrahmung müssen für diese Events ein tolle Kulisse sein. Auf dem Kraterrand sind dann gleich drei Kirchen die hier über der Stadt (mit weiteren Kirchen) trohnen.

Ich schaue im Internet nach dem Programm für die Feierlichkeiten hier in Santa Cruz und wir machen uns am Abend auf den Weg um daran teil zu haben. Die Strassen sind mit Lichtern geschmückt und an den Balkonen hängen bunte Decken. Die Stadt ist voller Menschen und Covid ist heute nicht mit eingeladen. Vielleicht ist es aber auch die sehr hohe Impfquote, von über 75%, die die Leute hier in Sicherheit wiegt. Nachdem mehrere Spielmannszüge (mit Frauen) uns passiert haben, gehen wir zu der gegenüber liegenden Open Air Bar. Wir bestellen zwei Gläser Rotwein und bekommen eine Schale Popcorn dazu. Die Preisgestalltung im laufe des Abends ist noch ganz spannend. Bei „Mama“ bezahlen wir für die erste Runde € 1,50. Für die zweite Rund bei „Papa“, zu der Graciosa Käse gereicht wird, nur noch € 1,40. Die nächsten zwei Runden bei der Tochter bestellt zahlen wir dann € 4,80. Wir fühlen uns trotzdem pudelwohl. Als ein kleiner Schauer kommt rücken alle unter dem großen Sonnensegel in der Mitte zusammen. Wir haben einen eigenen Schirm und brauchen somit an dem Gruppenkuscheln nicht teilnehmen.

In Santa Cruz finden wir auch noch ein tolles und preiswertes Restaurant, das Jale. Am Nachbartisch sitzt ein portugiesisches Pärchen, die ihren letzten Urlaubstag auf dieser Insel haben. Sie versichern uns, dass wir Glück haben, da wir das beste und günstigste Restaurant gleich am Anfang unseres Aufenthaltes gefunden haben und nicht wie sie am letzten. Wie sich später rausstellt sollen die beiden recht behalten. Wir entscheiden uns, nach der Beratung durch zwei Frauen vom anderen Nachbartisch, für einmal Fisch für mich und Rindfleisch für Anne. Für diese zwei Prato do dia zahlen wir dann mit einer Karaffe Wein 20 Euronen.

Anne und ich beschliessen uns den Nachbarort Praia da Graciosa auch noch anzusehen. Wir schnüren die Wanderschuhe und machen uns auf. Es geht zunächst eine wenig befahrene Küstenstraße entlang und an einem „Industriegebiet“ vorbei. Danach ist die Straße kaum noch mit herkömmlichen Autos zu befahren -ess ist die alte Landstraße die beide Orte mit einander verbindet. Rechter Hand ist ein Berg und links das Meer. Ein schöner Blick über Praia tut sich auf. Super toll ist dieser Wanderweg nicht, aber ok. In Praia sehen wir uns den Fischerei- und den Versorgungshafen der Insel an. Vier Segelboote liegen hier auch. Es gibt ein paar Windmühlen, leider ohne Flügel, die man/ frau als Ferienwohnung mieten kann. Der Ortr selber ist wenig ansprechend, was nicht nur an dem jetzt trüber werdenden Wetter liegt. Nach einem Getränk in einer Bar gehen wir zur Bushaltestelle, um dort fest zu stellen, dass unser angedachter Bus am Wochenende nicht fährt. Ein Taxi bringt uns zurück zum Boot.

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